Ausgabe Februar 2010

Klimaschutz am Abgrund

Wenn es etwas Gutes am Klimawandel gibt, dann ist es die Tatsache, dass alle Länder dieser Welt zur Kooperation gezwungen sind. Das Scheitern der Klimaverhandlungen in Kopenhagen hat jedoch dramatisch gezeigt, dass diese Zusammenarbeit nur dann funktionieren kann, wenn es Länder gibt, die den Klimaschutz tatsächlich vorantreiben. Diese gab es in Kopenhagen leider kaum – trotz der Tatsache, dass sich seit geraumer Zeit selbst Protagonisten unseres Weltwirtschaftssystems mit dem Klimawandel beschäftigen.

Das Scheitern von Kopenhagen hat bewiesen, dass die Verhandler eines Klima-Abkommens nach wie vor weit eher darum bemüht sind, ihre wirtschaftlichen und industriellen Interessen zu verteidigen, als nach wirklichen Lösungen zu suchen. Warum sonst tun sich die Industrieländer so schwer, scharfen Treibhausgasreduktionen zuzustimmen und die Entwicklungsländer beim Klimaschutz finanziell und technologisch zu unterstützen?

Führende Ökonomen wie Nicholas Stern haben zwar erkannt, dass der Klimawandel dringend angegangen werden muss; sie haben aber nach wie vor kein wirkliches Verständnis für den erforderlichen Umweltschutz. Andernfalls schlügen sie nicht vor, den Klimawandel mit Mitteln zu bekämpfen, die gravierende negative Umweltauswirkungen haben, wie etwa Atomkraft und Agrokraftstoffe.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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