Ausgabe März 2010

Ukraine in Blau

Der Sieger der Präsidentenwahl in der Ukraine 2010 heißt Viktor Janukowitsch. In der Stichwahl kommt der Kandidat der Partei der Regionen (PR) auf 49 Prozent, während seine Widersacherin Julia Timoschenko 45,5 Prozent der Stimmen erhielt. Der Abstand ist knapp, aber eindeutig.

Timoschenko, die einstige Ikone der „Orange Revolution“ hat diese Wahl mehr verloren, als dass sie Janukowitsch gewonnen hat. Ein Grund war die Enttäuschung über ausgebliebene Reformen an den staatlichen Institutionen, in der Wirtschaft und der Justiz, die die orangefarbenen Kräfte versprochen hatten. Hinzu kommt die Ermüdung über geradezu anarchische Rivalitäten nicht nur zwischen den „blauen“ und „orangen“ Politikern, sondern auch innerhalb des orangen Lagers und den daraus resultierenden politischen Selbstblockaden. Außerdem wurden die negativen Folgen der die Ukraine schwer treffenden Finanzkrise der Regierung Timoschenko angelastet, obwohl ihr Widersacher in dieser Situation kaum hätte anders handeln können. So verwundert es nicht, dass vor allem in der Zentralukraine ehemals orangefarbene Wähler entweder nicht zur Wahl gingen oder Janukowitsch wählten. Zwar lag Timoschenko in diesen Regionen vorne, konnte das bisherige Potential der orangefarbenen Kräfte aber nicht voll ausschöpfen.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Alternativen zum Geist der Ausbeutung

von Mariana Mazzucato

Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet.