Ausgabe November 2010

Israel oder Die Angst vor dem Frieden

Der Friedensprozess im Nahen Osten schädigt den Ruf des Begriffs. Denn dieser Prozess, das zeigen die dürren Ergebnisse der jüngsten Verhandlungsrunden, scheint nicht nur endlos, sondern auch aussichtslos zu sein – zum Ziel, also zum Frieden, wird er aller Wahrscheinlichkeit nach auch diesmal nicht führen. Man redet ständig vom Auf und Ab dieses Prozesses, doch seit Langem steht fest: Man läuft im Kreis, im Teufelskreis. Der einzige Ausweg scheint somit über eine Katastrophe zu führen.

Vor diesem Hintergrund überraschen die Schuldzuweisungen in der Debatte um die Ursachen und Gründe des aktuellen Zustands nicht. Es ist immer die andere Seite, die den Friedensprozess aufgehalten oder zum temporären Scheitern gebracht hat. Dass beide Seiten, Israelis und Palästinenser, prinzipiell mit ihren Schuldzuweisungen Recht haben, ist dabei von besonderer Ironie: Der Konflikt zwischen Juden und Arabern in Palästina hätte in der Tat durch die Annahme bzw. Durchsetzung des UN-Beschlusses über die Teilung Palästinas vom November 1947 – die Zwei-Staaten-Lösung – beendet werden können. Zuerst wurde der Vorschlag von der arabischen Seite abgelehnt, seit 1967 dann von Israel umgangen und für die PLO inakzeptabel.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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