Ausgabe November 2010

Showdown in Ostasien

Vorbei sind die Tage, als der erste Ministerpräsident der Demokratischen Partei Japans (DPJ), Yukio Hatoyama, im September 2009 das Prinzip der „brüderlichen“ (yuai) Außenpolitik verkündete und die Schaffung einer „asiatischen Gemeinschaft“ nach dem Vorbild der EU forderte.[1] Denn ein Jahr später ereignete sich am 7. September ein Zwischenfall, der das dünne Eis der Verständigung, das sich in den letzten Jahren zwischen Peking und Tokio gebildet hatte, zerbrach. Und auch wenn beide Seiten inzwischen an seiner Neubildung arbeiten – beim Asien-Europa-Gipfel (ASEM) in Brüssel kam es am 4. Oktober zu einem ersten Zusammentreffen der Ministerpräsidenten beider Länder seit Ausbruch der Krise –, wird es doch für lange Zeit brüchig bleiben.

Besagter Zwischenfall sah auf den ersten Blick harmlos aus: Ein chinesischer Fischtrawler hatte vor der Senkaku-Inselgruppe im Ostchinesischen Meer zwei Patrouillenboote der japanischen Küstenwache gerammt, woraufhin der Kapitän des Trawlers von den Japanern inhaftiert wurde. Um die territoriale Zugehörigkeit der Senkaku-Inseln liegen Peking und Tokio jedoch seil langem im Streit. Die chinesische Führung reagierte daher äußerst heftig auf die Inhaftierung des Kapitäns und sagte bilaterale Verhandlungen über die Ausbeutung der Erdgas- und Ölvorkommen in einem benachbarten Seegebiet ab.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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