Ausgabe Mai 2012

Grass und die Bombe

Worüber wir eigentlich reden sollten

Am 13. März 2012 plädierte David Grossman, der berühmte israelische Schriftsteller und Trä­ger des Friedenspreises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 2010, in einem Beitrag für das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit Nachdruck für Zurückhaltung im Konflikt zwischen Israel und dem Iran. Er fragte sich, ob Ministerpräsident Netanjahu bei seinen vielen Beschwörungen des alten und eines neuen Holocaust noch zwischen den realen Gefahren, die Israel drohten, und den Echos und Schatten historischer Traumata unterscheiden könne. Vielleicht sei seine harte Sprache, seien die eindringlichen Katastrophenbilder nur eine Taktik, um die Welt dazu zu bringen, die Daumenschrauben im Falle des Iran richtig anzusetzen. Sollte das funktionie­ren, so würde natürlich jeder anerkennen, dass Netanjahu seine Sache gut gemacht habe. Be­wege er sich aber in einer hermetischen Gedankenwelt zwischen Katastrophe und Erlösung, dann führten wir eine andere Diskussion. Könne Netanjahu, inmitten des Drucks, den er selbst schaffe und anheize, überhaupt zu einer nüchternen und realistischen Entscheidung finden? Werde Israel, um eine mögliche Katastrophe in der Zukunft zu verhindern, eine gewiss eintre­tende Katastrophe in Gang setzen?

Eindringlich warnte der israelische Schriftsteller vor den Risiken eines Waffengangs auch für Israel selbst.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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