Ausgabe Juni 2013

Genauer lesen: Wo der Antisemitismus wirklich steckt

In den Mai-„Blättern“ warf der Soziologe Michal Bodemann dem Deutschen Bundestag partielle Blindheit im Kampf gegen den Antisemitismus vor – und zwar infolge einer fehlerhaften Expertenstudie. Dem widerspricht entschieden der an dem Bericht beteiligte Politikwissenschaftler und Soziologe Armin Pfahl-Traughber. 

Am 6. Mai hat der Prozess gegen Beate Zschäpe nun endlich begonnen. Dabei geht es um die Beteiligung an Morden und Sprengstoffanschlägen, die sich meist gegen türkischstämmige Menschen richteten. Angesichts der besonderen Brutalität der Taten geriet eines aus dem Blickfeld: Am Beginn der terroristischen Karrieren der NSU-Mitglieder standen auch antisemitisch motivierte Aktionen. So hängte Uwe Böhnhardt einen Puppentorso mit einem Judenstern an eine Autobahnbrücke. Und nach dem Abtauchen in den Untergrund stellten er und Uwe Mundlos das Brettspiel „Pogromly“ her. Dabei machten sie sich in ähnlich menschenverachtender und zynischer Weise wie in dem späteren „Paulchen- Panther“-Video über die Ermordung von Juden lustig. Beide Fälle zeigen exemplarisch, dass Neonazis als die besonders ausgeprägten Akteure des manifesten Antisemitismus gelten müssen. In keiner anderen Gruppe ist der Hass auf die Juden so deutlich präsent und geht mit einer derart offenen Gewaltbereitschaft bis zur erklärten Vernichtungsabsicht einher.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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