Ausgabe Mai 2015

Das neue Grauen

Bild: Screenshot »Brennpunkt« (ARD), 24.3.2015

Ist etwas passiert in der Welt, das „uns“ nahegehen soll, erscheinen Zeitungen und Sondersendungen nicht mehr nur mit breiten Schlagzeilen und Breaking-News-Symbolen, sondern mit Trauerrand und schwarzen Schleifchen. Die Nachrichtensprecherinnen passen ihre Stimmlage und Mimik dem Anlass an, derweil sich die Moderatoren im Studio, die Reporter vor Ort und die angereisten Politiker gleichermaßen „geschockt“, „erschüttert“, „fassungslos“ und „entsetzt“ zeigen über die „furchtbaren“ Ereignisse. Alle zusammen bekennen vor laufender Kamera, mit ihren Gedanken „zuerst bei den Angehörigen“ zu sein.

Die seit langem intensivste Emotionalisierungswelle der Berichterstattung begann im Januar d. J. anzuwachsen. Terroristen hatten die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ und einen Pariser Supermarkt überfallen und dabei zwölf Menschen getötet. Eine Woche lang beherrschte das Ereignis die Medien so sehr, dass andere „Schreckensmeldungen“ kaum durchdrangen. Die psychologische Verarbeitung der „unvorstellbaren“ Tat von Paris hatte Vorrang. Und der mediale Drang, den Lesern und Zuschauern etwas vortrauern zu müssen, steigerte sich noch, als am 24. März ein Flugzeug der Lufthansa-Tochter Germanwings mit 150 Menschen an Bord in den Alpen zerschellte. Für die 150 Studenten, die am 2.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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