Ausgabe Februar 2016

Für ein rebellisches Engagement

Die aktuelle Flüchtlingssituation verdeutlicht exemplarisch, wie sehr der Staat auf ehrenamtliches Engagement angewiesen ist. Doch damit wälzt er existenzsichernde Aufgaben auf die Zivilgesellschaft ab, kritisieren die Sozialwissenschaftlerinnen Silke van Dyk, Emma Dowling und Tine Haubner. Sie diskutieren die Dilemmata von Freiwilligenarbeit im aktivierenden Staat und plädieren für eine Politisierung: Nur eine radikale Kritik der Verhältnisse ebne den Weg zu emanzipatorischer Solidarität.

Flüchtlingshilfe ist in den vergangenen Monaten zu einer Massenbewegung geworden, die jenen trotzt, die auf Pegida-Demos ihren Rassismus in die Welt tragen: Unzählige Freiwillige verteilen Lebensmittel und Kleidung an Bahnhöfen und vor Registrierungsstellen, sie begleiten Ankommende zu Ämtern, stellen Wohnungen zur Verfügung, versorgen Geflüchtete medizinisch oder bieten Sprachunterricht an. Diese Hilfe erfolgt einmalig und spontan, nicht selten aber auch regelmäßig, in den Feierabendstunden und während des eigenen Urlaubs.

Die Bilder vom Münchner Hauptbahnhof oder vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) sprechen eine deutliche Sprache: Als praktische Hilfe ist dieses Engagement unter den gegebenen Bedingungen in humanitärer Hinsicht alternativlos, von seiner antirassistischen Symbolkraft ganz zu schweigen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema