Ausgabe Juni 2017

Faktenflexible Souveränität

Eines muss man Donald Trump lassen, er ist immer für eine Überraschung gut. Noch im Oktober 2016, kurz vor der Präsidentschaftswahl, hatte er FBI-Chef James Comey über den grünen Klee gelobt, weil dieser die Ermittlungen gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton wieder aufgenommen hatte. „Das brauchte viel Mut“, so Trump damals überschwänglich. „Viele wollten, dass er das Falsche tut. Er hat das Richtige getan.“ Damals lieferte Comey willkommene Wahlkampfmunition. Nun, kein halbes Jahr später feuert ihn Trump mit den Worten „Er hat keinen guten Job gemacht“ – und zwar unter Berufung auf ein Memorandum seines stellvertretenden Justizministers Rod Rosenstein, das Comeys Kritik an Clinton als Fehler bezeichnet.

„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, lautet wieder einmal Trumps Devise, eben immer schön „faktenflexibel“. Dabei weiß man inzwischen, dass es ihm nur um Comeys Ermittlungen gegen Ex-Sicherheitsberater Flynn und wegen Trumps eigener Russland-Connection geht.

Nachdem jetzt bekannt wurde, dass Trump Geheimdienstinformationen an den russischen Außenminister weitergegeben hat, ist noch nicht ganz klar, ob er in der Schlacht mit dem FBI „nur“ sein Watergate erlebt oder bereits sein Waterloo.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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