Ausgabe April 2018

Der Brandstiftungsminister

Schneller hätte Horst Seehofer nicht deutlich machen können, was er unter Heimatschutz versteht – nämlich Copy-and-paste von AfD-Positionen. Mit seinem nur zwei Tage nach der Vereidigung via „Bild“ verkündeten Leitsatz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ übernahm der neue Heimatminister wortwörtlich das, was die AfD bereits vor zwei Jahren auf dem Stuttgarter Parteitag in ihrem Parteiprogramm festgeschrieben hat – und das just in der Woche, in der in Deutschland zahlreiche Moscheen in Brand gesteckt wurden.

Ab jetzt sitzt also die AfD mit auf der Regierungsbank und definiert, was in diesem Lande Heimat bedeutet. Damit wird aus dem vorgeblichen Integrations- ein Spaltungsministerium, erhöhte Brandgefahr inklusive. Wenn nämlich der Islam in Deutschland keine Heimat hat, wie sollen sich die gläubigen Muslime hier heimisch fühlen? Aus dem Munde eines angeblichen Christenmenschen ist eine solche Position schon bemerkenswert, zumal eines Unionspolitikers. Bestand doch die Leistung seiner Partei gerade in der Beilegung des konfessionellen Streits zwischen Katholiken und Protestanten. Gleiches müsste die Union heute im Umgang mit den mittlerweile vier Millionen Muslimen in Deutschland leisten, die hier ihre verfassungsrechtlich garantierte Religion ausüben wollen – und zudem auch ihr Wahlrecht.

Sie haben etwa 37% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 63% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Genozid-Vorwurf gegen Israel und die deutsche Verantwortung

von Albrecht von Lucke

Von den zahlreichen Kriegs- und Krisenbrennpunkten der Gegenwart, von der Ukraine über Iran bis zum Sudan, erregt wohl keiner so sehr die Gemüter wie der Israel-Palästina-Konflikt. Und fast immer taucht dabei der Vorwurf des »Genozids« gegenüber Israel auf.