Seit Monaten bestimmt ein einziges Thema die politische Debatte in Südafrika: die Landfrage, also die extrem ungerechte Verteilung des Landbesitzes zwischen Weißen und Schwarzen. Die Regierung des neuen Präsidenten Cyril Ramaphosa (ANC) plant nun eine Verfassungsänderung, um Grundstücke zugunsten schwarzer Bürger entschädigungslos enteignen zu können. Damit will sie zur sozialen und wirtschaftlichen Wiedergutmachung der Apartheidverbrechen beitragen. Das weckt Hoffnungen vor allem bei der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung. Bei weißen Farmern und Investoren mobilisieren die Pläne hingegen enorme Ängste. Sie befürchten ein Szenario wie im Nachbarland Simbabwe, wo nach einem Verfassungsreferendum im Jahr 2000 kommerzielle Farmen gewaltsam enteignet wurden. 50 000 weiße Landwirte verließen daraufhin binnen kurzer Zeit das Land und beschleunigten damit dessen wirtschaftlichen Niedergang. Inzwischen sorgt die Debatte auch international für Schlagzeilen. US-Präsident Donald Trump drohte per Twitter gar, Enteignungen von (weißen) Bauern und von Landbesitz durch seinen Außenminister Mike Pompeo beobachten lassen zu wollen und sprach von der „massenhaften Tötung“ weißer Farmer. Die ANC-Regierung wies diese unhaltbaren Vorwürfe umgehend zurück.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.