Seit Monaten bestimmt ein einziges Thema die politische Debatte in Südafrika: die Landfrage, also die extrem ungerechte Verteilung des Landbesitzes zwischen Weißen und Schwarzen. Die Regierung des neuen Präsidenten Cyril Ramaphosa (ANC) plant nun eine Verfassungsänderung, um Grundstücke zugunsten schwarzer Bürger entschädigungslos enteignen zu können. Damit will sie zur sozialen und wirtschaftlichen Wiedergutmachung der Apartheidverbrechen beitragen. Das weckt Hoffnungen vor allem bei der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung. Bei weißen Farmern und Investoren mobilisieren die Pläne hingegen enorme Ängste. Sie befürchten ein Szenario wie im Nachbarland Simbabwe, wo nach einem Verfassungsreferendum im Jahr 2000 kommerzielle Farmen gewaltsam enteignet wurden. 50 000 weiße Landwirte verließen daraufhin binnen kurzer Zeit das Land und beschleunigten damit dessen wirtschaftlichen Niedergang. Inzwischen sorgt die Debatte auch international für Schlagzeilen. US-Präsident Donald Trump drohte per Twitter gar, Enteignungen von (weißen) Bauern und von Landbesitz durch seinen Außenminister Mike Pompeo beobachten lassen zu wollen und sprach von der „massenhaften Tötung“ weißer Farmer. Die ANC-Regierung wies diese unhaltbaren Vorwürfe umgehend zurück.
Der 30. Juni 2026 war ein denkwürdiger Tag in Südafrika. Bis zu dieser Deadline sollten alle illegalen Migrant:innen Südafrika verlassen haben, hatten die Organisatoren des für dieses Datum ausgerufenen Protesttags zuvor wochenlang und zunehmend lautstark gefordert.