Ausgabe Januar 2019

Die verlockende Utopie der Gene

Vor wenigen Wochen titelte die „Zeit“: „Sie werden, was sie sind. Eltern können auf die Persönlichkeit ihrer Kinder kaum Einfluss nehmen. Jahrzehntelange Forschungen zeigen: Die wichtigsten Charaktermerkmale von Menschen sind von der Geburt an festgelegt.“[1] Oder: „Was wird aus mir? Wissenschaftler können aus den Genen so viel vorhersagen wie noch nie, sogar schon bei Neugeborenen – Intelligenz, Gewicht, Gesundheit.“[2]

Der Autor des ersten Textes, Robert Plomin, dem die „Zeit“ hier eine Bühne gibt, ist ein Humangenetiker der alten Schule. Seine These: Der Mensch ist genetisch determiniert, seine Eigenschaften sind bereits in den Genen festgelegt. Im führenden naturwissenschaftlichen Magazin „nature“ wird er wegen solcher Ansichten scharf kritisiert. Denn die moderne Humangenetik ebenso wie die Neurowissenschaften schätzen den Anteil der Umwelteinflüsse für die Entwicklung des Menschen zunehmend höher ein. Das aber scheint in der „Zeit“ nicht angekommen zu sein. Die inzwischen sehr solide Diskussion zu den Wechselbeziehungen individueller und sozialer Determinanten findet dort kein Gehör.

Als ob das nicht genügt, legt das Wissensressort der „Zeit“ in einer Folgeausgabe nach. Wir sollten Verständnis haben, wenn bestimmte Menschen in ihrer Entwicklung limitiert sind.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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