Ausgabe Februar 2026

Toxische Tech-Abhängigkeit

Der steinige Weg zur digitalen Souveränität

Demonstrierende in Washington fordern die Schließung von Palantir Technologies und tragen Schilder und Zeichen, die vor der Überwachung durch die Tewhnologien des Unternehmens warnen, 23.8.2025 (Yasin Ozturk / IMAGO / Anadolu Agency)

Bild: Demonstrierende in Washington fordern die Schließung von Palantir Technologies und tragen Schilder und Zeichen, die vor der Überwachung durch die Tewhnologien des Unternehmens warnen, 23.8.2025 (Yasin Ozturk / IMAGO / Anadolu Agency)

Deutsche Behörden, Polizei und Bundeswehr sind von Technologien aus den USA abhängig – angesichts der offenen Drohungen der Trump-Administration gegenüber der EU ist das eine massive Sicherheitslücke. Expert:innen fordern schon lange mehr Anstrengungen, um digitale Souveränität zu erlangen. Doch von einer solchen sind die meisten hiesigen Behörden bisher weit entfernt.

Schleswig-Holstein verabschiedet sich gerade von der Software des US-amerikanischen Tech-Riesen Microsoft. Mehr als 40 000 Postfächer mit Millionen von Kalendereinträgen und E-Mails wurden in den vergangenen Monaten von Microsoft Exchange auf Open-Xchange umgezogen, rund 80 Prozent der Arbeitsplätze in der Verwaltung sind bereits auf die Open-Source-Software LibreOffice umgestellt. Der Umzug hat einen politischen Hintergrund: Er soll die Abhängigkeit von US-amerikanischer Technologie reduzieren, das Bundesland digital souveräner machen – und spart gleichzeitig mehrere Millionen Euro an Microsoft-Lizenzgebühren.[1] Künftig will Schleswig-Holstein zudem von Windows auf das freie, quelloffene Betriebssystem Linux wechseln. Auch Thüringen setzt zunehmend auf freie Software, europäische Alternativen und eine neue Thüringer Verwaltungscloud. Im Gegensatz zu kommerzieller Software ist der Quellcode von Open-Source-Software frei zugänglich und kann von jedem eingesehen, genutzt, verändert und weitergegeben werden, solange die jeweiligen Lizenzbedingungen eingehalten werden.

»Blätter«-Ausgabe 2/2026

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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