Ausgabe März 2019

Deutscher Protestantismus: Politische Theologie à la Carl Schmitt?

Bild: Jonathan Schöps / photocase.com

In der Januar-Ausgabe rekonstruierte „Blätter“-Mitherausgeber Micha Brumlik die israelische Staatsgeschichte und übte dabei auch Kritik an Vertretern der evangelischen Kirche. Darauf erwidert der Politikwissenschaftler Sebastian Wolf.

Micha Brumlik hat in einem bemerkenswerten Beitrag zu Recht festgestellt, moderner Nationalismus enthalte häufig „Gründungs- und Rechtfertigungsideologien, die auf einem Wiederauferstehungsmythos basieren“.[1] Damit zusammenhängend diagnostiziert er im Hinblick auf die israelische Staatsgründung vielfach eine „presentic fallacy“, eine präsentische Täuschung, in Form einer unverhältnismäßigen „Aufladung eines kleineren regionalen Konflikts im Lichte der jüdischen und christlichen Tradition“. Anstelle dieser theologischen Aufladung käme es darauf an, den Israel-Palästina-Konflikt „nüchtern im globalen Kontext zu sehen“.

Unter den zahlreichen von Brumlik kritisch erwähnten Akteuren befinden sich wenig überraschend viele religiöse, theologische oder kirchliche Autoren und Gruppierungen. Auffallend ist allerdings, wie schlecht die evangelische Kirche und protestantische Theologen in der Analyse wegkommen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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