Ausgabe September 2019

»Weißt Du, was Wotan will?«

Bild: Suhrkamp Verlag

Gut ein halbes Jahrhundert liegt der Aufbruch der Studentenbewegung zurück. Im kollektiven Gedächtnis der politischen Öffentlichkeit ist er als eine Zeit tiefer gesellschaftlicher, politischer und kultureller Umbrüche vor allem in Westeuropa und den USA abgespeichert, möglicherweise auch noch als letzter reformpolitischer Aufbruch in Osteuropa mit sozialistisch-wirtschaftsdemokratischer Perspektive. Im September 1967 hielt Theodor W. Adorno auf Einladung des Sozialistischen Studentenverbandes in Wien einen Vortrag, der soeben im Vorgriff auf einen neuen Band seiner Gesammelten Schriften veröffentlicht wurde. Doch nicht die Neue Linke war Adornos Thema. Die Jahre des „großen Umbruchs“ hatten noch eine andere Signatur: den Aufbruch des „Neuen Rechtsradikalismus“. In Deutschland war es mit der NPD erstmals einer neofaschistischen Partei gelungen, in eine Reihe von Landesparlamenten einzuziehen und damit den Alleinvertretungsanspruch der Christdemokraten „rechts von der Mitte“ zu durchbrechen. Den rechten Aufbruch einzuordnen, war Adornos bis heute hoch aktuelles Thema.

Die Eckpunkte seiner Zeitdiagnose werden gleich am Anfang kurz umrissen: Mit der Restauration des Kapitalismus bestehen „die gesellschaftlichen Voraussetzungen des Faschismus nach wie vor“ fort (S. 9). Der Neue Rechtsradikalismus ist gleichwohl keine historische Wiederholungstat.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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