Ausgabe April 2020

Feind oder Freund

Wie die US-Demokratie noch gerettet werden kann

Die Demokratie hängt vom Einverständnis der Unterlegenen ab. In den Vereinigten Staaten gingen Parteien und Kandidaten im politischen Wettbewerb die längste Zeit des 20. Jahrhunderts hindurch wie selbstverständlich davon aus, dass Wahlniederlagen weder von Dauer noch unerträglich sind. Die Unterlegenen konnten das Ergebnis hinnehmen, ihre Vorstellungen und Bündnisse überprüfen und Kräfte für die nächste Wahl sammeln. Es wurde, manchmal durchaus erbittert, um Ideen und Strategien gekämpft, doch wie hitzig es in der Auseinandersetzung rhetorisch auch zugehen mochte, nie wurde eine Niederlage mit der politischen Auslöschung gleichgesetzt. Auch wo der Einsatz als hoch empfunden wurde, ging es selten um die nackte Existenz. In den vergangenen Jahren aber, schon vor der Wahl Donald Trumps und seither beschleunigt, änderte sich das.

„Unsere radikalen Gegner bei den Demokraten sind von Hass, Vorurteil und Wut getrieben“, rief Trump im vergangenen Juni, bei seinem Wahlkampfauftakt in Orlando, der Menge zu. „Sie wollen uns vernichten und sie wollen unser Land, so wie wir es kennen, vernichten.“ Darin besteht die Botschaft des Präsidenten für seine Anhänger im Kern: Zwischen ihnen und dem Abgrund steht nur noch einer: er.

April 2020

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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