Ausgabe November 2022

Italien: Der vermeidbare Triumph der Giorgia Meloni

Giorgia Meloni feiert ihren Wahlsieg, Rom, 26.9.2022 (IMAGO/ZUMA Wire/Ettore Ferrari)

Bild: Giorgia Meloni feiert ihren Wahlsieg, Rom, 26.9.2022 (IMAGO/ZUMA Wire/Ettore Ferrari)

Als sie 19 war, erklärte Giorgia Meloni im französischen Fernsehen: „Mussolini war ein guter Politiker. Alles was er tat, tat er für Italien.“[1] Das war 1996 und Meloni leitete da bereits eine Jugendabteilung der Alleanza Nazionale in Rom. Mit Benito Mussolini pries sie den Führer des weltweit ersten faschistischen Regimes, der als Hitlers treuer Verbündeter Europa und Afrika mit Krieg überzogen hatte. An dieses schändliche Erbe klammerte sich nach 1945 der Movimento Sociale Italiano, ein Sammelbecken für bekennende alte und neue Faschisten. Die Partei wurde nie verboten, aber zumeist konsequent ausgegrenzt. Sie stand außerhalb des arco costituzionale, des Verfassungsbogens, den die republiktragenden Kräfte des antifaschistischen Widerstands von Christdemokraten bis Kommunisten bildeten.[2] Das änderte sich allerdings Anfang der 1990er Jahre, als sich die Partei halbherzig von ihrer Vergangenheit distanzierte, sich in Alleanza Nazionale umbenannte und so ihren Paria-Status ablegen konnte. In dieser Zeit begann Melonis politische Karriere in einem Milieu, das man seither in Ermangelung eines besseren Begriffs „postfaschistisch“ nennt.

Jetzt wird Giorgia Meloni die erste Ministerpräsidentin Italiens, eines Gründungslandes der EU und heute deren drittgrößte Volkswirtschaft. Ihr zur Seite stehen Silvio Berlusconi, der Erfinder des europäischen Rechtspopulismus, und Matteo Salvini, ein strammer Nationalist und Putin-Fan.

»Blätter«-Ausgabe 11/2022

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