Ausgabe Januar 2023

Unter der Flagge der Selbstbestimmung: Das Geschäft mit dem Kinderwunsch

Illustration einer künstlichen Befruchtung (IMAGO / Science Photo Library)

Bild: Illustration einer künstlichen Befruchtung (IMAGO / Science Photo Library)

Vergangenen Sommer war im Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin eine bemerkenswerte Ausstellung mit dem Titel „Baby machen“ zu sehen.[1] Aus der Perspektive von Eizellspenderinnen erzählt die Schweizer Sozialanthropologin Laura Perler, die lange in spanischen Reproduktionskliniken geforscht hat, vom Geschäft mit dem Kindermachen. „Ich brauchte Geld für eine Therapie, und es war eine leichte Art, an Geld zu kommen“, begründete Elia Muñoz auf der Vernissage im Juni 2022 ihre Entscheidung, Eizellspenderin zu werden. Die Ausstellung führte vor, was es für die betroffenen Frauen bedeutet, ihre Eizellen zu „spenden“: von den indiskreten Fragen zum Intimleben über die belastenden Hormonstimulationen bis hin zur Prozedur in der Klinik. Dort müssen sich die Eizellgeberinnen in Hinterzimmern aufhalten, damit sie nicht auf die Empfängerinnen treffen, die in den freundlichen Vorderräumen behandelt werden. Denn die Eizellspende erfolgt in Spanien, dem größten europäischen Anbieterland dieser Dienstleistung, anonym. „Ich kam mir wie eine Eizelle mit Beinen drunter vor“, berichtete Muñoz von ihrer Erfahrung.

Von dieser tunlichst verborgenen Seite der Reproduktionsmedizin ist hierzulande nur selten die Rede.

»Blätter«-Ausgabe 1/2023

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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