Ausgabe Februar 2023

Die Blockade der US-Linken

Noch Ende 2020 schien der US-Linken ein Aufschwung bevorzustehen: Joe Biden war zum Präsidenten gewählt worden und die Demokratische Partei hatte knappe Mehrheiten im Kongress erobert. Viele hofften, nun würden sich die im Wahlkampf durch Bernie Sanders popularisierten linken Forderungen verwirklichen lassen. Dieser Hoffnung spürt Margit Mayer, emeritierte Professorin für nordamerikanische und vergleichende Politik an der FU Berlin, in ihrem neuen Buch nach. Auf Basis einer breit gefächerten Literatur- und Medienrecherche untersucht sie die ersten eineinhalb Jahre der Biden-Regierung sowie die Aktivitäten und Reaktionen der Linken. Ihr gelingt dabei eine bemerkenswerte und scharfe Analyse nicht nur des Zustands der Linken sowie ihrer Chancen und Grenzen, progressive Politik durchzusetzen, sondern auch der fragilen wie strukturell selektiven politischen Institutionen des Landes. Auch nimmt sie aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick, die die Linke mehr spalten als zusammenführen. Ihre Beobachtungen fallen zum Teil ernüchternd aus.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich die gesellschaftliche Spaltung in den USA immer stärker vertieft, sichtbar in der Umverteilung von 54 Bill. US-Dollar von den unteren 90 Prozent der Bevölkerung zum obersten einen Prozent in diesem Zeitraum.

»Blätter«-Ausgabe 2/2023

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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