Ausgabe Februar 2026

Düstere Dialektik

Über Meritokratie und Technofaschismus

Peter Thiel und andere Tech-Ideologen verachten Universitäten wegen ihrer Maßnahmen zur Förderung von benachteiligten Minderheiten. Es geht ihnen aber nicht nur darum, Menschen ausschließlich nach Leistung und IQ zu beurteilen. Letztlich ist für sie das vernunftbegabte Wesen Mensch bloßes biologisches Material, in das stets neu zu investieren ist, um schließlich einen »technologischen Übermenschen« zu schaffen.

Opake Zulassungsstandards haben Meritokratie und Exzellenz an vielen amerikanischen Universitäten verdrängt. Als Konsequenz wird qualifizierten Studierenden aufgrund subjektiver und oberflächlicher Kriterien die Möglichkeit zur Bildung verwehrt. Ohne Meritokratie sind die Campusse zu Brutstätten für Extremismus und Chaos geworden.« Diese Zeilen sind keinem rechten Blog oder Substack-Newsletter entnommen, der sich in die fantasielose Kritik an den zu »woken« Universitäten einzuschreiben sucht. Sie stammen aus einem Stellenangebot von einer der wichtigsten Firmen der Welt: Palantir Technologies. 

Das von Peter Thiel mitgegründete und aktuell wohl einflussreichste Unternehmen des Techsektors bewirbt damit sein »Meritocracy Fellowship«, eine Art Praktikumsprogramm, das unter dem Rubrum »College is broken«[1] seit April 2025 potenzielle Bewerber:innen davon zu überzeugen versucht, learning on the job dem Uniabschluss vorzuziehen, kurz: »Überspring die Schulden. Überspring die Indoktrinierung. Hol dir den Palantir-Abschluss.

»Blätter«-Ausgabe 2/2026

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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