Bild: Mitglieder der japanischen Streitkräfte bei Dekontaminierungsarbeiten im Rathaus von Namie Machi, 8 Kilometer vom Atomkraftwerk Fukushima entfernt, 8.12.2011 (IMAGO / UPI Photo)
15 Jahre nach der Katastrophe von Fukushima scheinen die Risiken der Kernenergie im öffentlichen Bewusstsein zu verblassen. In vielen Ländern wird Atomkraft als klimafreundliche Energiequelle präsentiert – und einer »nuklearen Renaissance« das Wort geredet. Damit wächst der Druck auf die Behörden, bei der Genehmigung neuer Reaktoren zulasten der Sicherheit zu entscheiden.
Vor 15 Jahren ereignete sich in Japan eine der schwersten Katastrophen der zivilen Nutzung der Kernenergie. Am 11. März 2011 löste ein starkes Seebeben einen Tsunami aus, dessen bis zu 14 Meter hohe Wellen das Kraftwerk Fukushima Daiichi trafen. In vier Reaktorblöcken kam es zu einem vollständigen Stromausfall (»Station Blackout«). Notstromsysteme und die Kühlung der Reaktorkerne brachen zusammen. Drei Kernschmelzen und mehrere Wasserstoffexplosionen folgten und setzten große Mengen radioaktiver Stoffe frei.
Über 160 000 Menschen mussten evakuiert werden oder flohen1, weite Landstriche wurden radioaktiv kontaminiert, landwirtschaftliche Nutzung und wirtschaftliche Aktivität massiv eingeschränkt. Japan schaltete alle inländischen Kernkraftwerke ab, bis heute sind nur wenige wieder in Betrieb. Rückblickend deutete der damalige Premier Naoto Kan an, zeitweise sei sogar eine Evakuierung des Großraums Tokio diskutiert worden und nur die günstige Windrichtung habe verhindert, dass radioaktive Wolken in Richtung der Metropole zogen.