Die Abkürzung dürfte vielen geläufig sein: DPs – Displaced Persons. Menschen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland gestrandet waren, obwohl sie – nach eigenem Verständnis wie der Zuschreibung von außen – eigentlich nicht hierher gehörten. Über die Unterschiedlichkeit und das Schicksal der DPs ist hierzulande dagegen nach wie vor wenig bekannt. Geprägt wurde der Begriff auf einer Tagung der UNRRA: der United Nations Relief and Rehabilitation Administration. Die Organisation wurde im Herbst 1943 auf Initiative der USA gegründet, um jenen zu helfen, die durch das Vorrücken der Alliierten in Europa von den Nationalsozialisten befreit wurden: Zwangsarbeiter, KZ-Überlebende und Kriegsgefangene, aber auch sonstige – nichtdeutsche – Vertriebene sowie sowjetische Soldaten, die sich der Wehrmacht angeschlossen hatten. Letztlich handelte es sich um eine Gruppe von über zehn Millionen Menschen verschiedenster Herkünfte, Sprachen und Religionen. Sie alle wurden unter der Kategorie Displaced Persons zusammengefasst, um sie verwaltungsmäßig handhabbar zu machen.
Die aus Australien stammende Historikerin Sheila Fitzpatrick, die lange in Chicago Geschichte der Sowjetunion gelehrt hat, hat eine dieser Gruppen untersucht und darüber ein ausgesprochen spannendes Buch geschrieben: »Lost Souls. Sowjetische DPs und der Beginn des Kalten Krieges«.