Warum Social-Media-Nutzung kein Privatproblem ist
Bild: Sechs von zehn 14- bis 29-Jährigen in Deutschland nutzen ihr Smartphone so intensiv, dass ihr Verhalten als suchtähnlich gilt (IMAGO / AAP)
Die Nutzung von Smartphones nimmt bei vielen Kindern und Jugendlichen problematische Ausmaße an und hat nicht selten gravierende Auswirkungen auf deren psychisches Wohlbefinden und ihr Selbstbild, aber auch auf die Gesellschaft insgesamt. Doch angesichts dessen ein Social-Media-Verbot zu fordern, greift zu kurz. Vielmehr gilt es, die Plattformbetreiber in die Verantwortung zu nehmen.
Sechs von zehn 14- bis 29-Jährigen in Deutschland nutzen ihr Smartphone so intensiv, dass ihr Verhalten als suchtähnlich gilt. Sie können sich kaum noch davon lösen, spüren bereits negative Folgen und reagieren gereizt, sobald das Gerät nicht verfügbar ist. Jungen sind mit 65 Prozent deutlich häufiger von problematischer Nutzung betroffen als Mädchen mit 54 Prozent.1 Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, wie alltäglich das Problem geworden ist. Vergleichbare Studien aus Brasilien, Indien, Griechenland, Palästina oder Südafrika kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
Dennoch wird Smartphonenutzung in der politischen und öffentlichen Debatte überwiegend als Privatproblem verhandelt und die Verantwortung dafür vor allem den Jugendlichen und ihren Eltern zugeschrieben. Diskutiert wird, wer seine Nutzung im Griff hat und wer nicht, wer Unterstützung braucht und wer zu wenig Disziplin zeigt. So wird der Blick auf individuelle Fähigkeiten und Defizite der Kinder und ihrer Familien gelenkt.