Wolfram Weimers nationale Funktionsreligion
Bild: Wolfram Weimer (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (IMAGO / IPON)
Der neue Staatsminister für Kultur hat durch manches für Aufsehen gesorgt, nicht zuletzt durch seinen Kampf gegen ihm missliebige Vereine und Buchhandlungen. Wer sich dagegen mit seinen essayistischen Elaboraten beschäftigt, stellt fest, worum es Wolfram Weimer im Kern geht: um deutsche Kunst im Dienste eines dezidiert antiliberalen Christentums.
Obwohl Wolfram Weimer bereits ein Jahr lang sein Amt als Staatsminister für Kultur und Medien ausübt, ist er der Öffentlichkeit immer noch ein Rätsel. Man weiß nicht genau, was er will, sondern sieht nur, was er nicht will. Weimer, so viel ist deutlich geworden, möchte mit Hilfe des Verfassungsschutzes verhindern, dass »politische Extremisten« in den Genuss staatlicher Kulturförderung gelangen. Sollten gegen Zuwendungsempfänger »Erkenntnisse vorliegen«, schreitet er ein. Gegen drei Buchhandlungen liegt angeblich etwas vor, weshalb sie vom Deutschen Buchhandelspreis ausgeschlossen wurden. Was er ihnen genau vorwirft, erfahren sie nicht, denn Weimer kommuniziert im Modus des Verdachts. Das Corpus delicti verbleibt im dunklen Raum der Mutmaßung, und die Mutmaßung mutiert zur Schuld. Sollten Verdächtige gegen den Verdacht protestieren, sind sie erst recht verdächtig.
Auf den ersten Blick passt die neue Kultur des Verdachts nicht zu Weimers altem Profil.