Ausgabe Oktober 2026

Die Fehler von gestern, die Drohnen von heute

Vom Ungarnaufstand 1956 zum Krieg gegen die Ukraine

Eine verwitterte Werbetafel in der ukrainischen Stadt Kupjansk, 27.11.2024 (IMAGO / Funke Foto Services)

Bild: Eine verwitterte Werbetafel in der ukrainischen Stadt Kupjansk, 27.11.2024 (IMAGO / Funke Foto Services)

Vor 70 Jahren erhoben sich die Menschen in Ungarn gegen die sowjetische Vorherrschaft. Für Hannah Arendt war dies ein Anlass, sämtliche politische Annahmen zu überprüfen. Eine ähnliche Herausforderung stellt sich heute mit Blick auf Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Manche politischen Ereignisse verändern die Bedeutung der Begriffe, mit denen sie beschrieben werden. Dazu gehörte für Hannah Arendt der ungarische Revolutionsversuch von 1956. Der Aufstand, den sowjetische Truppen binnen zwölf Tagen niederschlugen, zwang in ihren Augen dazu, »alle Politik, alle Theorie und alle Vorhersagen des Möglichen und Unmöglichen« neu zu prüfen.1 Er demonstrierte ihr die Macht des gemeinsamen Handelns, das selbst einen totalitären Staat herausfordern und einen Neuanfang in politischer Freiheit wagen konnte. Aus dieser Erfahrung bestimmte Arendt in »On Revolution« den Revolutionsbegriff neu.2 Die sowjetische Intervention wiederum ließ sie den Begriff des Imperialismus neu denken, denn sie machte sichtbar, wie sich das Wesen totaler Herrschaft und mit ihm die Methoden des »totalitären Imperialismus« – insbesondere in Gestalt des sowjetischen Satellitensystems – nach Stalins Tod verändert hatten.

Den Begriff nahm Arendt aus der Sprache der ungarischen Revolutionäre auf, die sie in ihrer Schrift zu den Ereignissen ausführlich zu Wort kommen ließ.

»Blätter«-Ausgabe 10/2026

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