Für eine Kultur der weiblichen Differenz
Bild: Demo zum internationalen Frauentag am 8.3.1981 in Düsseldorf (IMAGO / Klaus Rose). In den 1980er Jahren kämpften Feministinnen für eine freie Bedeutung des Frauseins. Heute hingegen stellt sich die Frage, ob das Frausein überhaupt noch eine Bedeutung hat oder haben sollte.
Rechtsextreme Parteien haben das Thema »Gender« zu einem ihrer zentralen Kampffelder erkoren, während an den Spitzen der Politik wieder Männer dominieren. Zugleich aber driften die politischen Präferenzen der Geschlechter mehr und mehr auseinander und es sind vor allem Frauen und Feminist:innen, die die Demokratiebewegungen von heute prägen. Ist es also an der Zeit, die weibliche Differenz politisch produktiv zu machen?
Lange war die traditionelle Politik von der Vorstellung getragen, die sexuelle Differenz überwinden zu können. Ob Mann oder Frau, so die Erzählung emanzipierter Gesellschaften, spiele im politischen Amt keine Rolle. Doch seit einiger Zeit kehrt die sexuelle Differenz mit großer Wucht in den politischen Diskurs zurück, aus mehreren Gründen.
Zum einen haben die immer erfolgreicheren rechtsextremen Parteien das Thema »Gender« zu einem ihrer Hauptthemen erklärt: Sie kämpfen gegen Feminismus, queere Praxis, neue Familienformen, sichtbare Homosexualität und wollen wieder etwas etablieren, das sie »die natürliche Geschlechterordnung« nennen: eine Ordnung, die jede Person aufgrund ihrer Genitalien eindeutig als Frau oder Mann einordnet und ihr dann entsprechende Rollen und Handlungsoptionen zuweist, insbesondere die, dass sie sich zu heteronormativen Paaren zusammenfinden und dann eigene, leibliche Kinder bekommen.
Zum anderen vollzog sich im vergangenen Jahrzehnt eine Wiedervermännlichung der Politik.