Ausgabe November 2026

Maricarmens Erbe: Spaniens Wohnungsnot im Wahlkampf

»Maricarmen für immer!«. Ein Wandgemälde von María del Carmen Abascal in Madrid. Die 87-Jährige wurde international bekannt, als ihre Wohnung, in der sie jahrzehntelang gewohnt hatte, zwangsgeräumt wurde. Die Zwangsräumung löste in Spanien massive Proteste aus. Bild vom: 9.10.2026 (IMAGO / Europa Press)

Bild: »Maricarmen für immer!«. Ein Wandgemälde von María del Carmen Abascal in Madrid. Die 87-Jährige wurde international bekannt, als ihre Wohnung, in der sie jahrzehntelang gewohnt hatte, zwangsgeräumt wurde. Die Zwangsräumung löste in Spanien massive Proteste aus. Bild vom: 9.10.2026 (IMAGO / Europa Press)

Wohl selten hat das Schicksal einer einzigen Frau Spaniens politische Agenda so bestimmt wie das von María del Carmen Abascal. Nachdem ein Immobilienunternehmen das Gebäude aufgekauft hatte, in dem die Rentnerin seit über 70 Jahren gelebt hatte, konnte sie die Miete nicht mehr zahlen. Mehr als sechs Jahre kämpfte sie um den Verbleib in der noch von ihrem Vater angemieteten Wohnung: mit ihren Anwälten vor Gericht, mit Demonstrationen, unterstützt vom Mieterverein »Sindicato de Inquilinas« (»Mieterinnengewerkschaft«). Dreimal wurde die gerichtlich verhängte Zwangsräumung ausgesetzt. Ende September dann trugen Sanitäter, begleitet von Protesten, die 87-jährige Frau aus der Wohnung und brachten sie mit akuten Angst- und Erschöpfungszuständen in ein Krankenhaus, wo sie zwei Wochen später starb. 

Wenige Tage vor ihrem Tod hatte ihre Anwältin eine Einigung mit dem Eigentümer verkündet, die ihr eine Rückkehr ermöglicht hätte. Die Bilder der Räumung lösten eine Welle der Empörung aus. Zehntausende gingen im ganzen Land auf die Straße, auf der Madrider Puerta del Sol entstand ein Protestcamp. Die landesweit organisierten »Sindicatos« forderten ein »Maricarmen«-Dekret: eine Entfristung der in Spanien in der Regel auf fünf Jahre befristeten Mietverträge, einen Mietendeckel und ein Ende der Zwangsräumungen.

»Blätter«-Ausgabe 11/2026

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