Ausgabe Februar 1990

Dinner mit Noriega

Im August 1989 lud die Panamaische Revolutionäre Demokratische Partei (PRD) mich und andere Forscher zur Teilnahme an einem Seminar über Kriegführung mit geringer Intensität ein. Am dritten Abend wohnten wir einem Empfang im Omar-Torrijos-Haus bei. Heute ist die einstige Residenz des Generals, der die Streitkräfte Panamas 1969 an die Macht führte, ein Museum. Torrijos, 1981 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, startete ein Projekt, das die Verschmelzung von panamaischem Nationalismus und sozialer Gerechtigkeit für die Armen zum Ziel hatte. Es beinhaltete die Rückgabe des Kanals an Panama und den Abzug der USSoldaten, deren Zahl zwischen zwölf- und zwanzigtausend rangierte und die in neun verschiedenen Stützpunkten stationiert waren. Torrijos wurde zur Vaterfigur. In Torrijos Haus liegt der Schlafanzug, den er in der letzten Nacht vor seinem Tod trug, ordentlich auf seinem Bett, und im Buch ist die Seite aufgeschlagen, die er las, als er einschlief.

Während des Aperitifs fuhren ein paar Cherokee 4x4s (wie sie auch die salvadorianischen Todesschwadronen benutzen) vor, und aus einem sprang General Manuel Noriega. Er trug eine sorgfältig gebügelte guayabera und eine tadellos sitzende Hose. Seine Leibwächter waren muskulöse junge Männer in blauen Freizeitanzügen, deren Blicke nervös umherschweiften.

Februar 1990

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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