Ausgabe August 1990

Friedensdividende?

Amerikanische Diskussionen und Entwicklungsperspektiven nach dem Ende des Kalten Krieges

1. Rüstungsausgaben unter Druck

Selten hat sich der Militärhaushalt der USA so großer öffentlicher Aufmerksamkeit erfreut wie in den letzten Monaten. Im Herbst dieses Jahres wird das erste Verteidigungsbudget nach den umwälzenden Ereignissen in Osteuropa verabschiedet. Zur Debatte steht, wie die Militär- und Rüstungspolitik der USA hierauf reagieren kann und soll. Dabei geht es vor allem um zwei Probleme: Zum einen ist es im vergangenen Jahr jenseits vernünftiger Zweifel klar geworden, daß die Staaten des Warschauer Vertrages in keiner Weise zu einer militärischen Gefahr für Westeuropa werden können. Das erfordert die Revision eines Rüstungskonzeptes, dessen Waffen- und Truppenplanung zu rund 50% auf eine massive militärische Auseinandersetzung in Europa ausgerichtet ist. Zum anderen ist ebenso deutlich geworden, daß die Sowjetunion aus militärischen und ökonomischen Gründen nicht in der Lage und aus politischen Gründen nicht bereit ist, eine interkontinentale Konfrontation mit den USA zu beginnen. Das stellt die Angemessenheit eines Konzeptes in Frage, dessen besonderer Akzent darauf liegt, das Arsenal des strategischen Schlagabtausches zu modernisieren und zu erweitern.

Die Regierung Bush hat Erwartungen auf eine wesentliche Revision ihrer rüstungspolitischen Konzeption bislang enttäuscht.

August 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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