Ausgabe Januar 1991

Was für den Sozialismus spricht.

Eine unzeitgemäße Betrachtung

I

Dieser Artikel plädiert für ein Ziel, das im Augenblick der Niederschrift ähnlich populär zu sein scheint wie Badeferien auf Grönland: für den Sozialismus. Ein solches Plädoyer wird gewiß abseitig und verschroben wirken in einer Zeit, in der Ludwig Ehrhard über Karl Marx zu triumphieren scheint, in der die Nationen Osteuropas in Serie die zentral gelenkte Planwirtschaft zu Grabe tragen und der Segnungen des westlichen Marktwirtschaftswunders teilhaftig zu werden hoffen. Was kann es anderes bieten als die larmoyante Nörgelei eines ewig Gestrigen? Gemach! Zwar ist sich der Autor seines problematischen Ausgangspunktes durchaus bewußt. Er wagt aber einzuwenden:

1. Es war schon immer falsch - wenngleich natürlich recht bequem - die Marxsche Theorie mit Sozialismus schlechthin zu identifizieren. Es ist zwar wahr, daß bislang nur diese Spielart der sozialistischen Auffassung für einen mehr als episodischen Zeitraum in einigen Ländern hat Regierungsverantwortung übernehmen können - aber diese "Kraft des Faktischen" (sie ist eben nicht normativ!) widerlegt andere Sozialismus-Varianten ebenso wenig wie die habgierigen Renaissance-Päpste die christliche Soziallehre "widerlegen".

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