Ausgabe Februar 1991

Das ökologische Ende des Nationalstaates

Globale Umweltprobleme sind die bis dato radikalste Infragestellung nationalstaatlicher Souveränitätskonzepte. Deren Hauptpfeiler nämlich, das Prinzip der territorialen Integrität, wird durch saure Niederschläge, Ozonschildzerstörung und Atmosphärenerwärmung dauerhaft untergraben.

So offenkundig die Tatsache allerdings ist, daß säurebildende Schadstoffe, radioaktiver Fallout, Ozonkiller und Treibhausgase nicht an nationalen Grenzen haltmachen und das völkerrechtliche Gebot der "gutnachbarschaftlichen Beziehungen" aufs Schädlichste ignorieren, so schwer tut sich die Staatengemeinschaft, auf die "neue" Lage angemessen zu reagieren.

Ökologische "Aggressoren"

Kämen die Verletzungen der territorialen Unversehrtheit nicht im Gewande ökologischer Verwüstungen daher, sondern in der uns vertrauten Form militärischer Übergriffe, so wäre der Fall klar. Man stelle sich vor, britische Truppen würden in Schweden einfallen und dessen Seen vergiften oder amerikanische GIs in Kanada, um die dortigen Wälder anzuzünden. Die Empörung wäre groß, eine bewaffnete Auseinandersetzung gewiß. Dabei sind diese, den meisten Lesern sicher etwas obskur erscheinenden Vergleiche, bei denen die sauren Niederschläge Modell standen, noch gar nicht auf der Höhe der Zeit.

Februar 1991

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