Ausgabe März 1992

Was wird aus den Wissenschaftlern im Osten?

Über die Abwehrkämpfe gegen die Versuche, Heinrich Fink, den Rektor der Berliner Humboldt-Universität, stellvertretend für die Intelligenz der Ex-DDR mit Hilfe des Stasi-Syndroms zu demontieren, sind zwei Fragen in den Hintergrund gerückt bei der Beschäftigung mit dem akademischen Wesen in Deutschlands Osten. - Was wird denn nun aus den wohl über 100000 Menschen, die ihrer Arbeitsplätze an den Hochschulen und in den industriellen Forschungseinrichtungen der neuen Bundesländer verlustig gingen oder nun sukzessive verlustig gehen werden, die die Akademie der Wissenschaften verlassen mußten oder dies in naher Zukunft werden tun müssen? - Und: wie wird sich denn das neue Wissenschaftsleben darstellen nach dem angestrebten Zusammenwachsen der beiden Teile Deutschlands? Nachdem die Fachbereiche Marxismus-Leninismus, WTO (Wissenschafts-Theorie und -Organisation) und teilweise Kriminalistik (bei letzterem mit seiner Verwebung in staatliche Sicherheitsbelange) mit erheblichem Personal aufgelöst worden sind, steht das quantitativ und qualitativ ins Gewicht fallende Großreinemachen zumindest an den Hochschulen eigentlich erst noch bevor.

Alle Professorenstellen der neuen Bundesländer werden in den kommenden Monaten neu ausgeschrieben werden. Die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen kann man kündigen, indem man ihnen mangelnden Bedarf nachweist; die neuen Landeshochschulgesetze bzw.

März 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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