Ausgabe August 1992

Die Kluft zwischen arm und reich

Wirtschaftliches Wachstum, definiert als Zunahme der Produktion von Gütern und Leistungen, gilt als wichtigstes Mittel zur Erhöhung des Wohlstands.

Trotz der zunehmenden Problematisierung des Wortes und seinem Ersatz durch Begriffe wie "nachhaltige Entwicklung" (sustainable development) wird Wachstum als Voraussetzung zur Lösung aller Probleme betrachtet: Der Münchner Wirtschaftsgipfel der G7 erbrachte als Hauptergebnis die Verkündung einer "starken Wirtschaftsbotschaft". Vor allem wird behauptet, daß notwendige Strukturveränderungen in einer wachsenden Ökonomie besser zu bewerkstelligen seien als bei Stagnation (vgl. z.B. das Gutachten des Sachverständigenrats 1989/90). Dem entgegen ist festzustellen, daß eines der wichtigsten Strukturungleichgewichte in der Welt, nämlich die krassen Einkommensunterschiede, sich im Zuge des raschen Wachstums der letzten 30 Jahre (historisch die dynamischste Wachstumsperiode in der menschlichen Geschichte) auf dramatische Weise vergrößert haben. Die im "Human Development Report" der Vereinten Nationen (Programm der UN für die Entwicklung = UNDP) von 1992 präsentierten Zahlen belegen dies eindrucksvoll.

August 1992

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Eigennutz statt Solidarität

von Klaus Seitz

Etwa eine Milliarde Euro weniger als im vergangenen Jahr steht dem Bundesentwicklungsministerium 2025 zur Verfügung. Doch nicht nur der Spardruck macht der Entwicklungszusammenarbeit zu schaffen, auch die strategische Neuausrichtung gefährdet ihre Zukunftsfähigkeit.

Krieg im Sudan: Deutschlands verdrängte Verantwortung

von Roman Deckert

Die Horrornachrichten aus dem Sudan halten an, dringen jedoch kaum durch, obwohl es sich nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit um die aktuell größte humanitäre Krise handelt. Von den rund 51 Millionen Menschen im Sudan ist fast die Hälfte dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.