Ausgabe Juni 1993

El Salvador: Vom Wahnsinn zur Hoffnung

Der Friedensvertrag, den die Befreiungsbewegung "Farabundo Marti" (FMLN) und die ultrarechte Regierung Cristiani am 16. Januar 1992 in Mexiko unterzeichneten, beendete einen zwölf Jahre dauernden Krieg, den keiner der beiden Kontrahenten zu seinen Gunsten entscheiden konnte 1). Seither hat sich in El Salvador vieles verändert.

Trotz häufiger Konflikte um die Vereinbarungen kommt der Friedens- und Umgestaltungsprozeß des Landes voran. So wurde der Waffenstillstand von beiden Seiten strikt eingehalten. Die Befreiungsbewegung demobilisierte die letzten Guerillaeinheiten am 15. Dezember 1992 und zerstörte unter UNO-Aufsicht bis auf geringe Reste - 22 Boden-Luft-Raketen - ihre Waffen. Den Ex-Guerillas wurden die Zuteilung von Land und andere Hilfen zur Wiedereingliederung ins zivile Leben in Aussicht gestellt. Die FMLN ist mittlerweile als Partei zugelassen und im ganzen Land aktiv. Ihre zwei Radiostationen, Radio Venceremos und Radio Farabundo Marti, wurden legalisiert und senden nun aus der Hauptstadt San Salvador. Die Armee zog sich weitgehend in die Kasernen zurück, löste ihre Sondereinheiten zur Guerillabekämpfung auf und entließ nach eigenen Angaben über 22 000 von insgesamt 65 000 Soldaten.

Die besonders repressive Nationalgarde und die Finanzpolizei sind aufgelöst, eine neue "Zivile Nationalpolizei" (PNC), der auch ehemalige Guerillas angehören, ist im Aufbau begriffen.

Juni 1993

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Kuba am Abgrund: Wo bleibt die EU?

von Sandra Weiss

Als 1989 die Berliner Mauer fiel, sich kurz danach die Sowjetunion auflöste und langjährige kommunistische Verbündete wie Vietnam und China einen wirtschaftlichen Reformprozess starteten, schien auch auf Kuba der Moment des Umbruchs gekommen.

Brasilien: Der Kandidat und die Kartelle

von Ralf Willinger

Ende Oktober vergangenen Jahres starben bei einer Polizeioperation in zwei Armenvierteln der Sechs-Millionen-Metropole Rio de Janeiro über 120 Menschen, darunter vier Polizisten – es war der bis dato tödlichste Polizeieinsatz in der Geschichte Brasiliens.

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

von Ferdinand Muggenthaler

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert.