Ausgabe August 1993

Folgeszenarien der jugoslawischen Auflösungskriege

Auch nach der - weitgehenden oder vielleicht vollständigen - Aufteilung Bosnien-Herzegowinas unter seine Nachbarstaaten, nach über 100000 Toten und der Vertreibung von wahrscheinlich über einer Million Menschen ist die Aussicht auf Frieden im ehemaligen Jugoslawien unsicher. Die Konstituierung zweier neuer Nationalstaaten aus der Konkursmasse Jugoslawiens ist noch nicht abgeschlossen, und darüber hinaus gibt es weitere Kriegsgründe, die fortgelten. Die folgende Übersicht soll den Blick auf künftige Gefahrenherde lenken. Der spekulative Anteil an den Kriegsszenarien ist gering; in den meisten Fällen geben sie einfach Optionen, Andeutungen und Drohungen wieder, die ich persönlich von Politikern in Belgrad, Zagreb, Skopje, Pristina und Knin gehört habe. Wesentlich mehr Phantasie als für ein Kriegsszenario ist für die Vorstellung von Frieden auf dem Balkan nötig.

1. Die Krajina

Etwa ein Drittel Kroatiens, das im wesentlichen aus Teilen der alten Militärgrenze gegen die Türken (Krajina) sowie der Baranja und Westsyrmien besteht, befindet sich heute unter serbischer Verwaltung. Seit dem Frühjahr 1992 sind dort UNO-Schutztruppen stationiert, die nach dem sogenannten Vance-Plan den Waffenstillstand garantieren, das Gebiet demilitarisieren und die Rückkehr der Flüchtlinge vorbereiten helfen sollen.

August 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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