Ausgabe November 1993

Zeichen der Exotik, Zeichen des Elends

Die Dritte Welt in der Werbung

Exotische Gegenwelten: die Lifestyle-Ästhetik moderner Kaufanreize

Die Dekonstruktion der großen Meta-Erzählungen, der politischen Heilsversprechen des 20. Jahrhunderts, haben die Ikonen und Mythen des werblich-industriellen Komplexes schadlos überstanden 1). Der Verlust politischer Utopien scheint den kommerziellen Illusionsproduzenten im Zeichen von Design-Kult und ästhetisierter Lebenshaltung sogar eine ungeahnte Konjunktur-Hausse gebracht zu haben: angesichts allgemeiner Sinnkrisen werden Werbeagenturen zu neuen Sinnproduzenten und ihre Sinnträger, Produkte und Firmennamen, optimal mit Symbolen kultureller Repräsentation aufgeladen. Unter den vielfältigen Diskursen der kommerziellen Werbung nimmt die Repräsentation der Dritten Welt einen immer breiteren Raum ein: sei es als Traumstrandkulisse exklusiv-kulinarischer Genüsse, als Vergegenwärtigung aufregender Abenteuerromantik, als Hintergrund humoresker Camel-Comics oder Inszenierung antirassistischer Toleranzaktionen in klassenübergreifenden Come-TogetherMythen. Die exotischen Traumlandschaften dienen als Flucht- und Wunschmotive zivilisationsmüder Weißer; angesichts zunehmender urbaner Anomie, Fremdbestimmung und räumlicher Enge in den hochindustrialisierten Zentren des Westens stillen sie den emotionalen Hunger nach authentischen Erfahrungen, Selbstbestimmung und räumlicher Weite.

November 1993

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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