Die Hoffnung auf einen neuen Parteienkonsens in der Energiepolitik währte gerade ein knappes Jahr. Im November 1992 war durch einen Brief von zwei führenden Vertretern der Energiewirtschaft, Klaus Piltz (VEBA) und Friedhelm Gieske (RWE), an Bundeskanzler Kohl erstmals der Gedanke parteiübergreifender Gespräche für eine Neuausrichtung der Energiepolitik in die öffentliche Debatte geraten. Hintergrund des Schreibens war ein gemeinsamer Entwurf der beiden Energieversorgungsunternehmen und der niedersächsischen Staatskanzlei, der - bis hinein in die Reihen der Grünen - hochfliegende Erwartungen über einen Einstieg in den Ausstieg aus der Kernenergie mit Zustimmung der Energiewirtschaft weckte. Seine wichtigsten Elemente: geordnete Stillegung der vorhandenen Kernkraftwerke nach einer "Regelnutzungsdauer"; Wiedereinstieg in die Kernenergie nur mit breiter politischer Mehrheit; keine Wiederaufarbeitung von nuklearem Abfall. Auf diese Ansätze stützte sich auch der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder, als er für die SPD die Initiative zu Verhandlungen mit den anderen Parteien - zeitweilig zu einer großen Runde mit Verbänden und Interessengruppen erweitert - ergriff. Nach mehrmonatigen Verhandlungen beschloß das SPD-Präsidium am 25. Oktober 1993 jedoch lapidar: "Der Bericht von Gerhard Schröder wird zur Kenntnis genommen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.