Ausgabe Oktober 1994

Vormundschaftliche Demokratie

"Wahlkampfparolen wie biblische Heilsverheißungen: Der Wechsel sei nötig, möglich, gut für das Land und nahe das wollen Verheugen und Scharping in den kommenden Wochen verkünden." Und darüber mokiert sich die "Frankfurter Allgemeine" in einem Bildtext zum SPD-Wahlkampfauftakt. (FAZ, 10.8.1994) Symptom des geistigen Klimas, in dem die Kampagne 1994 stattfindet: Nach fünf Jahren "Revolution", "Epochenbruch", "Ende der Geschichte" oder "Tod der Utopie" erscheint hier das kleine 1x1 der parlamentarischen Demokratie, der Machtwechsel und die Aufgabe der Opposition, ihn zu betreiben, als utopischer, quasireligiöser Extremismus...

Eine wählerverachtende Kampagne

Ärgernis 1: Der eigentliche Skandal dieses Wahljahres - ein seit 12 Jahren amtierender Bundeskanzler läßt das Land ersichtlich in eine beschäftigungspolitische Katastrophe treiben, aber die Opposition zeigt sich nicht einmal fähig, dies wirklich zu thematisieren.

Oktober 1994

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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