Ausgabe August 1995

Brent Spar oder der vergessene Alltag der Nordseeverschmutzung

Der Sünder ist erkannt, gestellt und bestraft worden. Der britisch-niederländische Shell-Konzem hat dem Druck aus Politik und Wirtschaft nachgeben müssen und, der Strömung zeitgeistiger Opportunität gehorchend, mehr verständnislos staunend als von der eigenen Sündhaftigkeit überzeugt die Hände gehoben und Besserung gelobt. Ein für die Zukunft geläuterter Erdölmulti? Wohl kaum steht er doch einerseits stellvertretend für viele andere seinesgleichen und andererseits festgefügt als integraler Bestandteil eines globalen sozio-ökonomischen Systems, von dem wir alle letztlich profitieren und dessen scheinbare Wohltaten ehrlicherweise wohl nur wenige von uns ernsthaft aufzugeben bereit sind. 1) Aber besser fühlen wir uns jetzt: haben wir doch alle gemeinsam und ohne einen Pfennig zu bezahlen - einem richtig großen Bösewicht mal zeigen dürfen, wo der Bartel den Sprit auch kaufen kann. Politiker, die sonst nicht gerade im Verdacht stehen, sich Sorgen um die Umwelt zu machen, exhibitionieren plötzlich ihre lange geheim gehaltene grüne Unterwäsche, Kirchenverbände werden zu Sachwaltern des Nordseeschutzes.

Der kleine Mann, die kleine Frau tankt verwegen bei Esso, BP, Agip, Conoco, Amoco...

August 1995

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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