Ausgabe September 1995

Türken und Kurden in Deutschland

Als die Bundesrepublik ab 1959 Anwerbeabkommen mit unterschiedlichen Staaten unterzeichnete, um den Arbeitskräftemangel der damals boomenden Industrie zu decken, hätte keiner gedacht, daß damit auch zahlreiche Probleme ins Land geholt werden würden. "Wir haben Arbeitskräfte gerufen, statt dessen sind Menschen gekommen", sagte ein berühmter Schriftsteller. Eine neue Version, umgeformt nach heutigen Verhältnissen, könnte lauten: "Wir haben Türken geholt, statt dessen sind Kurden, Tscherkessen, Lasen, Aleviten und Sunniten gekommen". Welche religiöse und ethnische Vielfalt in dem Begriff "Türken" steckt, wußte die deutsche Bevölkerung bisher nicht.

Es hat auch keinen interessiert. Erst die sich häufenden Gewaltakte seitens der PKK brachten die Bevölkerung nach und nach dazu, sich damit auseinanderzusetzen. Was geschieht in der Türkei, wie und warum spiegeln sich die Ereignisse in der Bundesrepublik wider? Gegenwärtig hat die Bundesrepublik 1,9 Millionen türkische Einwohner. Sie bilden inzwischen nach den Deutschen die größte Wohnbevölkerung. Nirgendwo auf der Welt sind türkische Bürger im Ausland zahlenmäßig so stark vertreten wie in der Bundesrepublik.

September 1995

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die geschürte Migrationspanik

von Naika Foroutan

Zwei islamistische Anschläge in Deutschland – der tödliche Angriff auf einen Polizisten in Mannheim mit sechs zusätzlichen Verletzten am 31. Mai 2024 sowie der Anschlag in Solingen am 23. August 2024, bei dem drei Menschen getötet und acht weitere verletzt wurden – haben das Land stark erschüttert.