Als sich kurz nach dem letzten Weltkrieg der Rowohlt-Verlag entschloß, seine "rororo"-Reihe durch eingeschobene Reklameseiten finanziell abzusichern, sprach aus den locker-intellektuell formulierten Werbetexten noch die Selbstironie und gönnerhafte Unabhängigkeit des neue Wege erschließenden Taschenbuch-Pioniers. Dabei konnte es geschehen, daß kongeniale Stil-Replikate die nicht in die Pagination einbezogene Seite tatsächlich mitlesbar machten: "Paß besser auf beim Fernsehen", sagt die Mutter. "Der Apparat war teuer" (rororo 5880: Elfriede Jelinek: Michael.) Das klassische Kulturgut Buch konnte zwar - als Bestseller oder durch Druckkostenzuschüsse finanziert - seine Unschuld bewahren und enthält, außer für die weiteren Produkte des Verlags, keine Werbung mehr. Das Fernsehen aber, in vieler Hinsicht sein Fortsetzungs- und Nachfolgemedium, ist inzwischen vom Gastwirt zum Kunden der Werbung mutiert. Die von ihren Werbeeinnahmen abhängigen privaten Sender sind die öffentlich akzeptierte Präfiguration einer Gesellschaftsordnung, in der der kommerzielle jeden anderen Grundkonsens verdrängt. Wenn in Italien eine Mehrheit der Bürger für die Medienkonzentration in der Hand des großen Geschäfts und für die Zulassung von Werbeunterbrechungen in jedem Film stimmte, so mag dies als Erfolg skrupelloser Medienmachtausübung interpretiert werden.
Die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft ist in aller Munde und befeuert eine Debatte um die Finanzierbarkeit des Sozialstaates. Darüber gerät aber aus dem Blick, was die eigentlichen Ursachen dieser Entwicklung sind.