Der ADAC, Deutschlands größter Einzelverband und zweitgrößter Automobilclub der Welt (nach dem US-amerikanischen), führt nun schon anderthalb Jahre, seit Sommer 1994 - den Startschuß hatte man bewußt kurz vor der Bundestagswahl gegeben - eine Kampagne zur Reinwaschung des Automobils von seinen Umweltsünden durch. Als wenn es die Umweltdiskussion der letzten beiden Jahrzehnte nicht gegeben hätte, werden seither unter dem Motto "Sehen, was Sache ist" Uralt-Vorurteile und Stammtisch-Weisheiten als neue Erkenntnisse dargestellt und (in diversen Medien für die verschiedensten Zielgruppen unterschiedlich aufgemacht) als "Fakten" an Mitglieder der Fraktionen in den Kommunal-, Länder und Bundesparlamenten, an Verwaltungsmitarbeiter in den zuständigen Behörden und schließlich an alle erreichbaren Bürger in millionenfacher Auflage verteilt. Nicht nur den über 13 Millionen Mitgliedern des Vereins muß offenbar wieder eingeschärft werden, daß z.B., wer Wohlstand will, Autos und Straßen bauen muß. Die Propaganda wird vermutlich selbst einen großen Teil der Mitglieder erstaunen und vielleicht empören, jene nämlich, die wegen der Serviceleistungen beigetreten sind und nun für knallharte Lobbyarbeit mit Argumenten der 60er Jahre in Dienst genommen werden.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.