Ausgabe Januar 1996

Grünanlagen

Jedes Jahr strömen in den USA über eine halbe Billion US-Dollar in mehr oder weniger "ethische" Geldanlagen. Derweil tröpfelt in der Bundesrepublik ein moralines Ethik-Rinnsal weitgehend unbeachtet vor sich hin. Die Idee für ethisches Investment stammt wohl aus Nordamerika: 1968 demonstrierten Aktionäre des Multis Dow Chemical gegen die Produktion von Napalm, mit dem seinerzeit die fliegenden Ledernacken Vietnam in die Steinzeit zurückzubomben versuchten. Viele Amerikaner verkauften ihre Dow-Papiere, der Aktienkurs fiel und eine neue Aktionsform war geboren. Begünstigt wurde der heutige Ethik-Boom in den USA durch das Fehlen einer staatlichen Sozialversicherung und die daraus resultierenden milliardenschweren Pensionsfonds von Kirchen und Universitäten.

Trotzdem wirkt der Abstand befremdlich: In der Bundesrepublik sind bestenfalls einige hundert Millionen Mark "alternatives Geld". Dabei müßte sich auch hierzulande mit Blick auf das Magische Dreieck aus Rendite, Sicherheit und Liquidität die naheliegende Frage aufdrängen: Was geschieht mit dem Geld, das ich der Bank gebe? Umweltverträglich arbeitende Unternehmen zu begünstigen, ist nicht nur über eine ökologische Steuerreform oder über die Ausgabe von Bons für den Luft- und Wasserverbrauch, sondern - in kleinerem Umfange und zur Not als erster Schritt - auch durch Transparenz bei Geldanlagen möglich.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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