Ausgabe April 1996

Energie ohne Zukunft

Die Atomwirtschaft zehn Jahre nach Tschernobyl

Mitte der 90er Jahre ist der Ausbau der Kernenergie zum Erliegen gekommen. Die Gesamtzahl der in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke (KKW) stagniert bei weltweit ca. 430 Stück. In den nächsten Jahren wird sie - weil mehr Anlagen stillgelegt als in Betrieb genommen werden - sogar zurückgehen. Das sieht so aus, als hätte man in den vergangenen zehn Jahren aus der Katastrophe von Tschernobyl Konsequenzen gezogen.

Doch ein Blick in die Auftragsbücher der Atomindustrie ergibt: In den USA, dem Land mit der weltweit größten Zahl von Kernkraftwerken, wurde der letzte Reaktor im Jahr 1978 bestellt. Baustellen für neue Anlagen gibt es nicht mehr. In Westeuropa sind insgesamt nur noch fünf KKW in Bau, vier in Frankreich und eins in Großbritannien. Hier erfolgten die letzten Aufträge zum Bau neuer KKW 1969 in den Niederlanden, 1973 in der Schweiz, 1974 in Finnland, 1975 in Belgien, 1976 in Schweden und Spanien, 1980 in Großbritannien, 1982 in Deutschland und 1985 in Frankreich und Italien. In allen anderen westeuropäischen Ländern werden keine Kernkraftwerke gebaut oder betrieben. Der Ausbau der Atomenergie in diesen Ländern war demnach im allgemeinen bereits viele Jahre vor der Atomkatastrophe vom 26. April 1986 abgeschlossen.

April 1996

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema