Ausgabe August 1996

Vom Elend der Ladenhüter

Nun ist es also doch geschehen: der Bundestag hat ein neues Ladenschlußgesetz beschlossen und der Bundesrat hat es passieren lassen. Das wirklich allerletzte Wort scheint aber hier noch lange nicht gesprochen. Da die Diskussion darüber von allen Seiten so arg kleingeistig und unentschieden geführt wurde, dürfen wir auch in Zukunft weiterhin neue Ausdehnungsvorschläge wie dadurch provozierte heroische Abwehrschlachten erwarten. Daß die betroffenen Gewerkschaften Besitzstände wahren wollen, mag - besonders im gegenwärtig wenig arbeitnehmerfreundlichen Meinungsklima - verständlich sein, zeugt aber nicht von besonderer Klugheit. Wenn bei Befragungen fast quer durch alle Gruppen etwa zwei Drittel eine Ausweitung der Einkaufszeiten befürworten, läßt sich eine solche Änderung auf Dauer nicht mehr verhindern. Und es wäre Aufgabe der anderen Gewerkschaften, der mit ihnen verhandelten Sozialdemokratie oder vor allem auch der bei dieser Frage mental beweglicheren Grünen gewesen, hier nicht blind konzeptlose Solidarität zu üben, sondern frühzeitig eine sozialverträgliche Alternative zu entwickeln.

Aber auch die Regierungsvorlage war wieder einmal als typische Halbherzigkeit angelegt, die kaum mehr erkennen ließ, von welchen Prinzipien aus dabei eigentlich gehandelt wurde.

August 1996

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