Ausgabe November 1997

Wie die Wehrmacht die Fähigkeit erlangte, einen Vernichtungskrieg zu führen

Die Ausstellung konfrontiert uns mit unwiderlegbaren und erschütternden Tatsachen. Über die Ursachen, die den Vernichtungskrieg ermöglicht und bewirkt haben, sagt sie uns nichts. (Die Interpretation, daß das unausrottbar Böse im Menschen Hauptursache sei, schließt sie nicht unbedingt aus.) Die Kausalbeziehungen zu ermitteln, ist die Aufgabe kritischer Wissenschaft. Streng genommen ist eigentlich erst dann die Stufe von Wissenschaft erreicht wenn diese (in Natur und Gesellschaft) ermittelt werden. Die Basis solcher Analysen aber bildet selbstverständlich das Tatsachenmaterial. Über zwei grundlegende Tatsachen kann es keinen Zweifel geben. Sie sind seit dem Internationalen Militärtribunal 1945 bekannt und durch die über 50jährige Arbeit der internationalen Forschung eindringlich bestätigt worden.

Das Herrschaftssystem des deutschen Faschismus zielte von Anfang an auf den großen Eroberungskrieg. Die Unterwerfung und dauerhafte Niederhaltung der europäischen Völker vom Atlantik bis zum Ural sollte die Weltmachtgeltung Deutschlands garantieren. Um den eroberten Osten in "blühende germanische Provinzen" (Himmler) 1) verwandeln zu können, waren Terror und Völkermord schon frühzeitig eingeplant: als unumgängliche Mittel zur Durchsetzung dieser gigantischen Ziele, aber auch als legitime Mittel der deutschen Herrenrasse gegenüber rassisch Minderwertigen.

November 1997

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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