Ausgabe Januar 1998

Sie können sich die Situation nicht dramatisch genug vorstellen!

Hintergründe des algerischen Bürgerkrieges

Als im vergangenen Herbst Berichte über besonders zahlreiche und grausame Morde an algerischen Dorfbewohnern in der deutschen und internationalen Presse kurzzeitig offene Empörung auslösten, erschollen Rufe nach internationalem Engagement. Ansonsten prägt allenfalls ratlose Betroffenheit den hiesigen Umgang mit dem Terror in Algerien. Der Grund dafür liegt sicherlich zum einen in den wenig ermutigenden Erfahrungen, die man aus Somalia und zuletzt dem Kongo mitbrachte. Zum anderen verwirrt die Nachrichtenlage: Die Fronten zwischen Armee- und Sicherheitskräften einerseits und militanten Islamisten andererseits scheinen immer mehr zu verschwimmen.

So berichtete u.a. amnesty international kürzlich, daß halbe Dörfer in der Nähe von Kasernen und anderen militärischen Einrichtungen niedergemetzelt wurden - ohne daß die Sicherheitskräfte eingriffen. Anfang der 90er Jahre schien Algerien noch auf dem Weg der Demokratie. Unter dem Druck öffentlicher Proteste entschied sich die Regierung Chadli Benjadids, das Einparteiensystem der Nationalen Befreiungsfront (Front de libération, FLN) aufzuheben und die Bildung neuer Parteien zu gestatten. Nachdem sich allerdings bei den Präsidentschaftswahlen ein Erdrutschsieg der islamischen Heilsfront (Front islamique du salut, FIS) abzeichnete, putschte das Militär im Januar 1992.

Januar 1998

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die geschürte Migrationspanik

von Naika Foroutan

Zwei islamistische Anschläge in Deutschland – der tödliche Angriff auf einen Polizisten in Mannheim mit sechs zusätzlichen Verletzten am 31. Mai 2024 sowie der Anschlag in Solingen am 23. August 2024, bei dem drei Menschen getötet und acht weitere verletzt wurden – haben das Land stark erschüttert.