Ausgabe Februar 1999

Schatten über dem Mercosur

Dei Brasilienkrise und die Zukunft des gemeinsamen Marktes

Die Asienkrise hat in allen Schwellenländern des Südens einen Schock ausgelöst, weil sie vor Augen führte, auf welch unsicheren Fundamenten ihre Erfolge und ihr Status als emerging markets stehen. Zwar ist bekannt, daß sich ein Gutteil der aktuellen Verwerfungen auf selbstverschuldete Mißstände zurückführen läßt: Mißmanagement im Finanzsektor und im Bankwesen sowie politische Unterdrückung, Korruption und Vetternwirtschaft in ungeheurem Ausmaß sind beispielsweise in Indonesien wichtige Ursachen der Krise. Doch sie ist auch ein Produkt der Globalisierung: Die seit langem praktizierten Strategien der Liberalisierung und Deregulierung der internationalen Finanzmärkte haben zu einem "Exzess" an Kapitalbewegungen geführt, 1) die einerseits durch die Bereitstellung von Finanzmitteln den wirtschaftlichen Erfolg mancher Schwellenländer erst ermöglichten, andererseits aber durch kurzfristigen Abzug de Mittel bei Krisenanzeichen diese Erfolge auch wieder in Frage stellen oder gar zunichte machen.

Im August 1998 geriet auch Brasilien, der mit Abstand wichtigste Mitgliedstaat des 1991 gegründeten Mercado Com£n del Cono Sur Mercosur (die brasilianische Schreibweise ist Mercosul), erstmals in den Strudel der Krise. Durch die Asien- und die nachfolgende Rußlandkrise verunsichert, zogen Investoren in massivem Umfang Finanzmittel ab.

Februar 1999

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema