Ausgabe Juni 1999

Rechtsruck in der Türkei

"Raus! Raus! Raus!" Es ging hoch her bei der Vereidigung der Abgeordneten im türkischen Parlament am 2. Mai 1999. Da sind nun die Frauen mit der Rekordzahl von 22 (bei 550 Abgeordneten insgesamt) im 21. Parlament der Türkei vertreten, und dann dieser Skandal: Die junge Computerspezialistin Merve Kavakci, Abgeordnete der islamistischen Tugendpartei, betrat den Plenarsaal mit Kopftuch, obwohl der Generalstab ein klares Nein zum Kopftuch im Parlament ausgesprochen hatte. Die Verfechter des kemalistischen Laizismus, allen voran die Abgeordneten der DSP Ministerpräsident Ecevits, warnten, das "von Atatürk gegründete Parlament dürfe nicht für eine religiöse Kundgebung mißbraucht" werden. In den Bekleidungsvorschriften des Parlaments findet sich allerdings keine Bestimmung bezüglich der islamisch korrekten Verhüllung des weiblichen Kopfes.

Ist "Merves Aktion" nun eine vom Ausland angezettelte Provokation, wie Staatspräsident Demirel, die Gefahr eines Militärputsches implizierend, meint, oder handelt es sich lediglich um die Ausübung eines Menschenrechts, wie muslimische Kreise und Menschenrechtler äußern. Ein Affront gegen Militärs und die vor ihnen kuschende laizistische Elite ist es allemal.

Juni 1999

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Uganda vor dem Putsch des Löwen?

von Johanna-Marie Lange

Es war kurz nach Mitternacht Ende Juni, als Soldaten das Gebäude der Nation Media Group in Ugandas Hauptstadt Kampala stürmten und den wichtigsten unabhängigen Fernsehkanal NTV abschalteten. Auch die älteste und größte unabhängige Tageszeitung »Daily Monitor« wurde geschlossen.

Kuba am Abgrund: Wo bleibt die EU?

von Sandra Weiss

Als 1989 die Berliner Mauer fiel, sich kurz danach die Sowjetunion auflöste und langjährige kommunistische Verbündete wie Vietnam und China einen wirtschaftlichen Reformprozess starteten, schien auch auf Kuba der Moment des Umbruchs gekommen.