Ausgabe September 1999

Iran: Erosion des Machtgefüges

Die Fundamentalisten in Iran haben es in den vergangenen 20 Jahren geschafft, nahezu alle staatlichen Institutionen zu durchsetzen. Ihr Einfluß reicht über Armee und Polizei nebst den Schlägertrupps der Ansar-e Hisbollah (Anhänger der Partei Gottes), Geheimdienste, Justiz und Medien bis weit in die Privatsphäre der meisten Iraner. Und dennoch erlitten die religiösen Dogmatiker bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 1997 eine herbe politische Niederlage. Obwohl die Fundamentalisten alles in Bewegung setzten, um ihrem Frontmann Nateg Nuri durchzubringen, siegte mit breiter Mehrheit Mohammad Chatami. Ihn, der als vergleichsweise moderat und weltoffen gilt, unterstützten vor allem Frauen, junge Menschen und Intellektuelle. Seit dem Sieg Chatamis beherrscht der Machtkampf zwischen den radikalen Islamisten und gemäßigten Kräften die politische Szenerie des Landes. Mit Chatami, dem ersten frei gewählten Präsidenten der Islamischen Republik Iran, begann eine neue Ära. Das Wahlresultat machte deutlich, daß die Menschen trotz langjähriger Demütigungen und Bevormundungen seitens einer zeitfremden Führung imstande sind, ihrem Unmut Luft zu machen. Chatami übernahm mit seinem Versprechen, eine andere Politik zu verfolgen und eine freiere Gesellschaft zu schaffen, allerdings keine allzu leichte Aufgabe.

September 1999

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.